Zum 20. Jahrestag des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen im August 1992 (PM vom 25.08.2012)

Die Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nimmt mit großer Sorge die Äußerungen von Innenminister Lorenz Caffier zu der heute stattfindenden bundesweiten antifaschistischen Demonstration zum Gedenken an den Pogrom von Rostock-Lichtenhagen zur Kenntnis. Caffier bekundete im Zusammenhang mit der von ihm behaupteten Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch „linksextremistische Ausschreitungen“: „Es wird nicht passieren, dass wir zu wenige Einsatzkräfte haben. Da bin ich ein gebranntes Kind“. Anstatt den barbarischen Charakter der Duldung und Begünstigung rassistischer Gewaltanwendung durch staatliche Behörden im August 1992 zu bagatellisieren, steht der Innenminister tatsächlich in der Pflicht, die Versammlungsfreiheit von Antifaschisten vollumfänglich zu garantieren.

Wir solidarisieren uns mit Beate Klarsfelds Aufruf: „In Rostock und anderen deutschen Städten gingen Menschen im August 1992 mit rassistischen Gewalttaten und Brandstiftungen gegen unschuldige Familien, Kinder, Frauen und Männer vor. Wir erinnern an die Millionen Kinder, Frauen und Männer, die, weil als Juden, Sinti und Roma geboren, dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer fielen. In einer einzigen Nacht unvergeßlichen Grauens wurden am 2.8.1944 die 3000 noch lebenden Menschen im Zigeunerlager Auschwitz-Birkenau durch Gas ermordet. Diese Erfahrungen und historischen Verpflichtungen für das deutsche Volk müssen wachgehalten werden, um zu verhindern, daß sich Gewalt und Menschenverachtung je wiederholen.“

Der weitverbreiteten Unterstellung, die ungeheuerlichen Ereignisse des August 1992 ständen in keinem Zusammenhang zu der heutigen Lebenswirklichkeit in Mecklenburg-Vorpommern im allgemeinen und dem „bunten“ Rostock im besonderen, halten wir entgegen:

– Im September 2011 wurde einer der aktiven neofaschistischen Pogromhetzer von 1992, Michael Andrejewski (heute NPD), erneut in den Landtag gewählt.

– Im April 2012 lud der SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Dr. Norbert Nieszery Günter Grass unter ausdrücklichem lobendem Verweis auf dessen israel- und iranpolitische Positionierung als Laudator für die Verleihung des Johannes-Stelling-Preises ein, der explizit dem Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus gewidmet ist. Dies ist das krasseste Beispiel einer bedenkenlosen Ummünzung eines demokratischen Anliegens zu Zwecken der Rehabilitierung eines früheren SS-Angehörigen, der Hetze gegen Israel und die Israel-Solidarität sowie der Propagierung eines Appeasement gegenüber der Bahaiverfolger- und Holocaustleugner-„Republik“ Iran.

Ereignisse wie die genannten sind keine mecklenburg-vorpommerischen Provinzpossen. Sie sind eine existentielle Herausforderung für eine Republik, die ihren Namen verdient.

Daniel Leon Schikora, Constantin Schwarzer

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Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
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