Romain Rolland und die teutonischen Friedensfreunde

Aus einem Brief Romain Rollands „an einen französischen Freund“, 5.12.1933:

„[…] Wenn die Friedensvorschläge, die Hitler gegenwärtig macht, auch nur von geringster Ehrlichkeit wären, so würde er zuerst damit beginnen müssen, dieses Werk [„Mein Kampf“] öffentlich zu widerrufen oder aus dem Handel zu ziehen. Er tut es nicht. „Mein Kampf“ sät weiter in ganz Deutschland maniakischen Hass, der zum Kriege treibt, – zum Rassenkriege. Hitler rühmt sich sogar, aus dem Verkauf dieses Buches seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Man sage nicht, dass er die Gefahr nicht kennt! Er kennt sie so gut, dass er die Veröffentlichung einer französischen Übersetzung von „Mein Kampf“ untersagt hat und das ist der Beweis seiner Niedertracht. [Hätte er dies versäumt, so hätten interessierte Kreise ihn gewiss als Opfer von Myriaden von Übersetzungsfehlern gezeichnet. Anm. von Daniel L. Schikora.]

[…]

Ich füge hinzu, dass ich es von einer höheren Warte aus als der des französischen Staatsinteresses (denn mein Vaterland und das Ihre ist die Menschheit) – ehrlos finden würde, durch mein Zuwarten mit einer Regierung zu paktieren, die Europa zur dümmsten, grausamsten Finsternis der Vergangenheit zurückgeführt hat – zum bösen Geist der Inquisition und der Unterdrückung, weit hinter das Edikt von Nantes zurück, […] zur Verfolgung der Juden, zur Ächtung des freien Gedankens und der freien Denker, – zu den teutonischen Rittern der Reaktion.

[…]“

Am 1. September 2012 hätte das „Friedensbündnis“ die Polizei zu Hilfe gerufen, wenn Romain Rolland am Rostocker Universitätsplatz den „bösen Geist der Inquisition und der Unterdrückung“ gebrandmarkt hätte, wie er gegenwärtig in der Auslöschung der Bahai seinen Ausdruck findet, anstatt für den großen weltinnenpolitischen Frieden mit jenen einzutreten, die „weit hinter das Edikt von Nantes“ zurückfallen und religiöse Nonkonformisten, Kommunisten, Demokraten, Liberale für vogelfrei erklären.

In Rostock triumphierten am Weltfriedenstag die teutonischen Ritter der Reaktion.

Daniel Leon Schikora

Advertisements

Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s