DIG-Hochschulgruppe solidarisiert sich mit Simon Wiesenthal Center (PM vom 04.01.2013)

Die Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft begrüßt die Veröffentlichung der „Top Ten“ antisemitischer und antiisraelischer Verleumdungen durch das Simon Wiesenthal Center. Wir halten es für dringend geboten, in der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus auf die gesellschaftlich-kulturelle Bandbreite der Verbreitung antisemitischer Lügen und Vernichtungsdrohungen hinzuweisen. Das Simon Wiesenthal Center trägt diesem Anliegen Rechnung, wenn es – neben Repräsentanten des radikalen Islamismus in Gestalt der Muslimbruderschaft (Platz 1) und des Regimes der Islamischen „Republik“ Iran (Platz 2) sowie „klassischen“ Faschisten aus der Ukraine und Griechenland (Plätze 5 und 6) – auf Platz 9 den deutschen Publizisten Jakob Augstein als einen Multiplikator antiisraelischer Hasstiraden anführt.

Der zugunsten des Israel-Hassers Augstein allenthalben vorgebrachte Einwand, „Kritik“ an Israel resp. seiner Regierung dürfe nicht als Antisemitismus delegitimiert werden, ist Ausdruck eines Verdrängungsdiskurses: Die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen zum Zwecke der Diffamierung der jüdischen Republik, etwa der Behauptung einer Vorbereitung der nuklearen Auslöschung des Iran durch Israel, figuriert als eine legitime „Kritik“, die mit der Hetze von Nazis und Islamisten nichts zu tun haben will, wenngleich sie sich von letzterer über weite Strecken nicht einmal in ihrer Diktion unterscheiden lässt, Augstein nicht einmal davor zurückschreckte, den früheren SS-Angehörigen Günter Grass als Kronzeugen gegen Israel ins Feld zu führen – und die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern darunter leidet, dass sie es nicht zustande bringt, den SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Norbert Nieszery – wie Augstein ein leidenschaftlicher Verteidiger Grass‘ – in Sachen Hetze gegen den jüdischen Staat zu toppen. Dabei entsprechen die vom Simon Wiesenthal Center dokumentierten Äußerungen Augsteins geradezu idealtypisch den Topoi, die die offizielle EU-„Arbeitsdefinition“ des Antisemitismus als „Beispiele“ für israelbezogenen Antisemitismus anführt.

In der Auseinandersetzung mit der Kritik des Simon Wiesenthal Center an einem antiisraelischen und antisemitischen deutschen Publizisten zeigt sich erneut die argumentative Unfähigkeit der Weggefährten Augsteins, über die Moralität ihrer Handlungen im öffentlichen Raum Rechenschaft abzulegen. Die Gesinnungsfreunde Augsteins haben stattdessen offenherzig Auskunft darüber gegeben, dass sie an dem Umstand leiden, dass der demokratische Verfassungsstaat auch Nicht-„Israelkritikern“ zivile Rechte zugesteht: „Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft […]“ (Frankfurter Rundschau, 2.1.2013). Auf diese Weise fördern sie (erneut) zutage, was sie stets vehement bestreiten: dass ihr Schulterschluss mit Neofaschisten und Djihadisten gegen die einzige demokratische Republik im Nahen Osten kein für sie unglücklicher Zufall ist.

Frei nach Dieter Hildebrandt: Es verwundert nicht, dass in Deutschland auch Kinder und Enkel der Schergen Hitlers und Himmlers aus ihrem Hass auf jüdische Überlebende, deren Nachfahren und den jüdischen Staat keinen Hehl machen. Pikant allerdings ist, dass die Augstein und Nieszery in einem Land, in dem es Extremismusbeschlüsse gibt, frei herumlaufen.

Daniel Leon Schikora

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Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
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5 Antworten zu DIG-Hochschulgruppe solidarisiert sich mit Simon Wiesenthal Center (PM vom 04.01.2013)

  1. Pingback: DIG-Hochschulgruppe solidarisiert sich mit Simon Wiesenthal Center | Jihad Watch Deutschland

  2. CHLeser schreibt:

    „Veröffentlichung der „Top Ten“ antisemitischer und antiisraelischer Verleumdungen“
    Genau diese Kopplung von Antisemitismus und „Anti-Israelismus“ wird zu mehr Desensibilisierung für Antisemitismus beitragen. Ich habe eine Mail an das SWC in Los Angeles gesendet mit der Frage, warum sie das ab 2011 gekoppelt haben, wie sie „Anti-Israelismus“ definieren und wie man einen kritischen Diskurs über den Staat Israel führen „darf“/kann, ohne als „Anti-Israelismus“ zu gelten.

  3. Johann schreibt:

    Um erstmal zu klären um was es hier geht:
    „Die besagte Liste umfasst in Wahrheit nämlich die »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« – also die zehn aus Sicht des SWC erwähnenswertesten antisemitischen respektive antiisraelischen Verunglimpfungen des vergangenen Jahres –, ist also wesentlich eher eine Sammlung markanter Zitate als ein Fahndungsaufruf. Und das Ziel ist es dabei offenkundig auch weniger, eine Rangliste entlang der machtbedingten Gefährlichkeit der Urheber dieser Zitate zu erstellen, als vielmehr, plakativ zu verdeutlichen, wie beängstigend groß das Spektrum des Judenhasses weltweit ist und wie sich der massenkompatible Antisemitismus in den einzelnen politischen Lagern äußert, selbst bei vermeintlich unverdächtigen, seriösen Akteuren.“
    http://lizaswelt.net/2013/01/05/freispruch-fuer-deutschland/

    „Veröffentlichung der „Top Ten“ antisemitischer und antiisraelischer Verleumdungen” (dig – hochschulgruppe). „CHLeser “ sollte mal selbst erklären warum Verleumdungen (!) gegenüber Israel, so wie sie Augstein betreibt kein antisemitismus ist. Stefan gärtner hat dazu geschrieben:
    „»Darauf spekuliert tatsächlich einer der wesentlichen Tricks von Antisemiten heute: sich als Verfolgte darzustellen; sich zu gebärden, als wäre durch die öffentliche Meinung, die Äußerungen des Antisemitismus heute unmöglich macht, der Antisemit eigentlich der, gegen den der Stachel der Gesellschaft sich richtet, während im allgemeinen die Antisemiten doch die sind, die den Stachel der Gesellschaft am grausamsten und am erfolgreichsten handhaben« ­(Adorno, a.a.O.). Daß die Juden uns den Mund verbieten, ist das Gerücht über die Juden, das nach Adorno der Antisemitismus ist. Wer glaubt, daß es wahr sei, ist ein Antisemit. Augstein ist einer. “
    http://www.titanic-magazin.de/essay-augstein.html

    Doch schauen wir was Rabbi Abraham Cooper (http://www.wiesenthal.com/site/pp.asp?c=lsKWLbPJLnF&b=4885451) zu dem thema sagt:
    „Wir kritisieren Herrn Augstein nicht dafür, dass er zum Beispiel Kommentare über die Haredi-Juden in Israel veröffentlicht. Die Haredim ein sehr wichtiges soziales und politisches Thema, das auch in Israel diskutiert wird. Worum es geht, ist, dass er in seinen Äußerungen die
    schlimmsten Stereotypen benutzt, um eine ganze Gemeinschaft zu erniedrigen. Diese Äußerungen basieren nicht auf Tatsachen. Und wenn er Sachen sagt wie: die Haredim seien aus dem gleichen Holz geschnitzt wie die Islamisten und folgten dem Gesetz der Rache, dann ist das wirklich völlig inakzeptabel. Was er sagt, ist nicht wahr und kann nicht belegt werden.

    Das Gleiche gilt für seine anderen Auslassungen. Wollen Sie über Gaza reden? Ich glaube nicht, dass dann der Begriff »Lager« angemessen ist. Vielleicht liest Herr Augstein keine Zeitungen. Vielleicht schreibt er nur in ihnen. Jemand sollte ihm sagen, dass es im Gazastreifen schon seit etlichen Jahren keine Juden oder Israelis mehr gibt. Und was Israel als angeblichen Kriegstreiber betrifft oder Israel und die republikanische Partei in den Vereinigten Staaten als die klammheimlichen Sieger des leider gescheiterten arabischen Frühlings – das überschreitet einfach eine Grenze.

    Und dann sind da noch seine Kommentare über die nukleare Gefahr im Nahen Osten, die nicht vom Iran, sondern von Israel ausgehe – auch hier wieder: Wo sind die Belege für solche Behauptungen? Rabbi Hier [der Direktor und Gründer des Simon Wiesenthal Centers] und ich haben in den letzten drei Jahren zahlreiche Führer der arabischen Welt und der Golfstaaten getroffen, von denen keiner Israel besonders freundlich gegenübersteht. Und sie alle sind wegen des iranischen Atomprogramms in großer Sorge und äußern offen ihre Angst. Sie drängen Präsident Obama, die Gefahr eines nuklearen Iran zu beseitigen.“
    http://lizaswelt.net/2013/01/10/augstein-hat-eine-grenze-ueberschritten/

  4. CHLeser schreibt:

    Hallo Johann,
    leider hat das SWC den Zweck der Liste nicht so schön definiert, wie Du es darstellst. Alles was der Leser auf der Website findet ist der Titel »2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs« und der suggeriert zum einen, dass es sich um Verunglimpfungen geht, aber eben (und da widerspreche ich Deiner Interpretation) auch, dass es ein Ranking, eben eine „Top Ten“ ist, die jährlich veröffentlich wird und die ganze Welt erfasst. Ich finde nicht, dass das eine nur Zitatesammlung suggeriert. Für den gesamten deutschsprachigen Raum ist also der schlimmste antisemitic/antiisraelic slur“ aus dem Munde von Herrn Augstein? Und das finde ich nicht nur eine die Realität nicht repräsentierende Wahl (all die NPD Stimmen usw usw sind also nicht erwähnenswert), sondern führt eher zu einer Desensibilisierung („Also wenn der Augstein Antisemit sein soll, wer ists dann nicht?“)

    „“CHLeser ” sollte mal selbst erklären warum Verleumdungen (!) gegenüber Israel, so wie sie Augstein betreibt kein antisemitismus ist.“
    Gibt es hier nicht eher das Prinzip „im Zweifelsfalle für den Angeklagten“. Dh man muss nachvollziehbar erklären, warum es Antisemitismus ist?

    „Und dann sind da noch seine Kommentare über die nukleare Gefahr im Nahen Osten, die nicht vom Iran, sondern von Israel ausgehe – auch hier wieder: Wo sind die Belege für solche Behauptungen?“
    Da bin ich jetzt überrascht, das war doch in allen Medien, dass Netanjahu einen Erstschlag gegen den Iran durchsetzen will?

    Das SWC hat auf meine Mail geantwortet :-):
    „thank you for your inquiry.Israel like every other country ,is not perfect and debate about Israeli policies is certainly legitimate.The question,therefore,is when is it no?,when does it cross the line?.We believe in the litmus test of the three „Ds“.Simply put,criticism crosses the line when Israel is either
    1…DEMONIZED….( comparing it, for example, to nazi Germany)
    2…..When a DOUBLE STANDARD is applied to Israel that is applied to no one else
    3….when there is an attempt to DELEGITIMIZE Israel and say the country has no right to exist.
    Constructive criticism,on the other hand, is always legitimate.Some of the greatest debates about Israeli policy actually take place in Israel.“

    Also klarer wird für mich die Auswahl von Herrn Augstein dadurch nicht. Eine Anmerkung zur Methodik habe ich dennoch:
    1. Sollte die Methodik zu so einer Liste öffentlich zur Liste verfügbar sein
    2. Sollte die Methodik so gut es geht wissenschaftlich sein und deren Kriterien genügen
    3. Leider erfüllt der Litmus Test nicht diese Kriterien (z.B. er hat keine Inter-Rater-Reliabilität, dh. verschiedene Rater, die Augsteins Aussagen gemäss der drei D beurteilen kommen zu einem zumindest ähnlichen Resultat)
    4. Wenn es absehbar ist, dass ein Test (ist zumindest in der Psychologie so 🙂 ), nicht die Realität genügend erfasst, dann verwendet man üblicherweise eine Testbatterie (also mehrere Tests).

    In der 2012er Liste wurde zumindest im deutschsprachigen Raum dem Diskurs rund um Antisemitismus nicht Genüge getragen und um das zu verhindern könnte man ja einfach bei der Erstellung eines internationalen Rankings bei den wichtigsten lokalen jüdischen Organisationen nachfragen, ob die mit dem Litmus Test ermittelte Wahl adäquat ist. Das habe ich mir auch erlaubt dem Angestellten des SWC zu schreiben.

    Mein Anliegen ist es nicht Herrn Augstein zu schützen oder zu verteidigen, sondern ich möchte nicht, dass durch solche (aus meiner Sicht fehlgeleiteten) Bemühungen wie die Top Ten Liste des SWC eine mühsam aufgebaute Sensibilisierung betreffs Antisemitismus gefährdet wird.

  5. Pingback: Mein Kampf, mein Recht auf Israelkritik? Nein danke! | DIG-Hochschulgruppe Rostock

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