Mein Kampf, mein Recht auf Israelkritik? Nein danke!

In der aktuellen Ausgabe der BAHAMAS berichtet unser Gründungsmitglied Daniel Leon Schikora über eine der Aktivitäten der DIG-Hochschulgruppe Rostock, in denen wir das Postulat, „Vorurteilen gegenüber Juden in der deutschen Bevölkerung entgegenzuwirken sowie Antisemitismus und Antizionismus entschieden zu bekämpfen“ – so die Leitsätze der Deutsch-Israelischen Gesellschaft -, im öffentlichen Raum zur Geltung gebracht haben.

[…] In einer Pressemitteilung vom 14.2.2013 hatte die Hochschulgruppe in Anlehnung an die „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“ des Simon Wiesenthal Center (SWC) vom Dezember 2012 (1), die in Deutschland für großes Aufsehen gesorgt hatte, ihre „Top Five antisemitischer und antiisraelischer Verleumdungen in Mecklenburg-Vorpommern 2012“ veröffentlicht. (2) Das SWC hatte neben Repräsentanten des radikalen Islamismus in Gestalt der Muslimbruderschaft (Platz 1), des Regimes der Islamischen „Republik“ Iran (Platz 2) und des Amerikaners Louis Farrakhan (Platz 10) sowie „klassischen“ Faschisten aus der Ukraine, Griechenland und Ungarn (Plätze 5, 6 und 7) – auf Platz 9 den linksdeutschen Publizisten Jakob Augstein als einen Multiplikator antiisraelischer Hasstiraden angeführt.

In der Auseinandersetzung mit der Kritik des SWC an einem antiisraelischen und antisemitischen deutschen Publizisten gaben Gesinnungsfreunde Augsteins Auskunft darüber, wie sehr sie darunter leiden, dass der demokratische Verfassungsstaat auch Menschen, die sich ausdrücklich nicht zu den „Israelkritikern“ zählen, zivile Rechte zugesteht. Stellvertretend für alle verlautbarte die Frankfurter Rundschau am 2.1.2013: „Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft […]“.

Unter Verweis auf derartige Ausfälle erklärte die DIG-Hochschulgruppe Rostock: „Der zugunsten des Israel-Hassers Augstein allenthalben vorgebrachte Einwand, ‚Kritik‘ an Israel resp. seiner Regierung dürfe nicht als Antisemitismus delegitimiert werden, ist Ausdruck eines Verdrängungsdiskurses: Die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen zum Zwecke der Diffamierung der jüdischen Republik, etwa der Behauptung einer Vorbereitung der nuklearen Auslöschung des Iran durch Israel, figuriert als eine legitime ‚Kritik‘, die mit der Hetze von Nazis und Islamisten nichts zu tun haben will, wenngleich sie sich von letzterer über weite Strecken nicht einmal in ihrer Diktion unterscheiden lässt, Augstein nicht einmal davor zurückschreckte, den früheren SS-Angehörigen Günter Grass als Kronzeugen gegen Israel ins Feld zu führen – und die NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern darunter leidet, dass sie es nicht zustande bringt, den SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Norbert Nieszery – wie Augstein ein leidenschaftlicher Verteidiger Grass’ – in Sachen Hetze gegen den jüdischen Staat zu toppen. Dabei entsprechen die vom Simon Wiesenthal Center dokumentierten Äußerungen Augsteins geradezu idealtypisch den Topoi, die die offizielle EU-‚Arbeitsdefinition‘ des Antisemitismus als ‚Beispiele‘ für israelbezogenen Antisemitismus anführt.“ (3)
Die Top-Five-Liste der DIG-Hochschulgruppe präsentiert – neben einem Antrag der Landtagsfraktion der NPD, in dem der antiisraelischen Boykotthetze gegen Israel das Wort geredet wird (Platz 2) – Äußerungen der SPD-Politiker MdL Dr. Norbert Nieszery (Platz 1), Kultusminister Mathias Brodkorb (Platz 3) und MdL Jochen Schulte (Platz 4). Die Hochschulgruppe wies darauf hin, „dass Auswahl und Rangfolge der dokumentierten Äußerungen sich nicht allein aus der Radikalität des Inhalts (oder des Autors) einer Äußerung ergeben“. Für die Aufnahme einer Äußerung sowie die Festlegung ihres Rangs sollten „ihre politische Wirkungsmächtigkeit, ihre ‚Kraft‘, gesamtgesellschaftlich antisemitische Ressentiments zu fördern, von entscheidender Bedeutung sein“.
[…]

Auf der Grundlage einer Betrachtung der politischen Biographie des notorischen Israelhassers und Antisemiten Mathias Brodkorb beleuchtet der Autor die politische „Kultur“ eines deutschen Landes, in dem unter der ministeriellen Verantwortung ebendieses Mannes im Juli 2012 der Präzedenzfall des Verbots einer Bildungsveranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im universitären Raum unter Hinweis auf die Möglichkeit der Störung dieser Veranstaltung geschaffen werden konnte – was naturgemäß auch in neonazistischen Organen auf Beifall stieß.

Ein Blick auf die politische Biographie des jungen Berufspolitikers, der v. a. auf regionalpolitischer Ebene als „intellektuell“ engagiert gehandelt wird und der daher seit 2011 das Land Mecklenburg-Vorpommern in der Kultusministerkonferenz vertritt, führt schlaglichtartig vor Augen, in welchem Ausmaße die Berliner Republik sich in den letzten beiden Jahrzehnten von den mit der Bonner Republik assoziierten „Standards“ einer westlichen Demokratie entfernt hat. Diese hatten unter den Bedingungen der „Westbindung“ der Bundesrepublik zeitweilig sichergestellt, dass Einlassungen, die der höchste Repräsentant der DIG heute als zumindest diskutabel zertifiziert, der Tendenz nach außerhalb des Verfassungsbogens gestellt wurden. (4)
Zwei Jahre bevor Brodkorb Minister wurde – im August 2010 –, berichtete die FAZ geradezu enthusiastisch über den Rostocker SPD-Bildungspolitiker, den sie als Hoffnungsträger eines „intelligenten“ Antifaschismus porträtierte, der sich durch „Parodie und Satire“ auszeichne. Dem Trommler für das Modelabel „Storch Heinar“, das Brodkorb et al. im Rahmen einer Anti-Rechtsextremismus-Kampagne der SPD entwickelte, gesteht die Zeitung für Deutschland, ungeachtet seiner ostdeutsch-linksextremistischen Jugendsünden, eine gesamtdeutsche Integrität zu: „[…] eine typische DDR-Biographie kann Brodkorb nicht vorweisen; das Wendejahr 1989 verbrachte der aus einer unkirchlichen und unpolitischen Familie Stammende im niederösterreichischen Korneuburg, wo er von 1987 bis 1992 lebte. Sein Vater ist ein Österreicher, der auf einer Werft gearbeitet hatte, auch der Sohn besitzt zwei Staatsangehörigkeiten.“ Nach der Rückkehr in seine Geburtsstadt Rostock wurde Brodkorb „links sozialisiert und ging noch als Oberschüler 1994 zur PDS, genauer, zur ‚Kommunistischen Plattform‘. Er war der Jüngste, an den alten Genossen beeindruckte ihn der theoretische Anspruch an die Politik. Seine Beschäftigung mit Marx führte zum Philosophiestudium.“ Der Student der Philosophie und Altphilologie habe sich, versichert die FAZ, „weltanschaulich“ vom „Marxismus“ gelöst. 1997 zur SPD gewechselt, gelangte er (2002) als Vertreter der Jusos „in der personell klammen Landespartei auf einen guten Listenplatz und so in den Landtag“ (5), dessen Mitglied er bis heute ist.
In den darauffolgenden Jahren trat der junge Landtagsabgeordnete im bildungspolitischen Bereich als begnadeter Politclown in einer Weise hervor, die ihn für die Rolle einer landespolitischen Galionsfigur institutionalisierten Wutbürgertums geradezu prädestinierte. Bereits in den Jahren 2003 und 2004 inszenierte er sich in geschichtspolitisch brisanten Themenfeldern als wackerer Kämpfer gegen vermeintliche Tabus: 2003 führte er „zu aufklärerischen Zwecken“ (wikipedia) in der ehemaligen „Kraft durch Freude“-Ferienanlage Prora auf Rügen eine öffentliche Mein Kampf-Lesung durch, eine Demonstration der Unbefangenheit, die er noch neun Jahre später als amtierender Kultusminister in der antikonservativen Pose des linksdeutschen Aufklärers gegen bayerische und andere Reaktionäre verteidigen sollte: Dass der Freistaat Bayern als Inhaber der Nutzungsrechte für Mein Kampf, der er bis Ende 2015 ist, die Verbreitung des Buches unterbindet, bewertet Brodkorb als „eine ängstliche und rückschrittliche Verhinderungspolitik“. Die Befürchtung seines Gesprächspartners vom Cicero, das Ansehen der Bundesrepublik könne, sollte Mein Kampf infolge seiner Freigabe 2016 zu einem Bestseller im deutschen Buchhandel werden, in katastrophaler Weise Schaden nehmen, konterte der Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns: „[…] Es wäre vielmehr eine ganz natürliche Reaktion auf 70 Jahre Wegschließpolitik.“ (6) Der Ansehensverlust, so die Botschaft, könne ruhig riskiert werden, verantwortlich für ihn wäre ohnehin die „Verhinderungspolitik“ der Alliierten, der Israelis und der Bayern. Dieser konsequent entgegenzutreten und das Menschenrecht auf Mein Kampf-Rezitation zu verteidigen, hat für Brodkorb verfassungspatriotische Priorität.
Anfang 2004 wurde Brodkorb dann damit konfrontiert, dass ihm konservative Verhinderungspolitiker die Wahrnehmung eines anderen Menschenrechtes übel nahmen: des Rechtes auf Werbung für einen Apologeten von Eugenik und Euthanasie. Vor allem die Christdemokraten kritisierten Brodkorbs öffentliches Bekenntnis zu den philosophischen Prämissen eugenischer Projekte auf der Grundlage von Peter Singers Präferenzutilitarismus vehement. Die CDU-Landtagsfraktion erklärte, „dass die Entgleisungen des SPD-Landtagsabgeordneten Matthias Brodkorb gegenüber behinderten Menschen für die CDU noch nicht vom Tisch sind“. (7) Dieser habe „bewußt und gezielt den umstrittenen Bioethiker Peter Singer zitiert“, der seinerseits „Menschenrechte für Primaten“ fordere, während er gleichzeitig die Tötung behinderter Säuglinge gutheiße. Die SPD, so der CDU-Sozialpolitiker Harry Glawe, wäre „gut beraten“, einen „tatsächlichen Schlussstrich“ gegenüber ihrem stellvertretenden Landesvorsitzenden Brodkorb zu ziehen, dessen „Bitte um Verzeihung“ zu spät komme, um „als ehrlich und aufrichtig“ bewertet werden zu können. (8) Die SPD zog den Schlussstrich nicht, und die CDU hat es so ernst dann auch nicht gemeint: Acht Jahre später wurde Brodkorb Minister in einem unter CDU-Beteiligung gebildeten Kabinett.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Brodkorb sich auf einem anderen Gebiet bildungspolitische Kompetenzen erworben: durch die Leitung und Repräsentation des 2006 im Rahmen einer Anti-NPD-Kampagne ins Leben gerufenen Internetportals Endstation Rechts (ER). Das von Brodkorb formulierte Selbstverständnis des Portals legt, in Abgrenzung zu anderen linksdeutschen Anti-Rechts(extremismus)-Organen, Wert auf einen „ausgenommen gelassenen Pluralismus“. „Wir nehmen für uns in Anspruch, pluraler, gelassener und offener als andere gegen rechtsextreme Tendenzen gerichtete Portale über Erscheinungen des ‚rechten Lagers‘ insgesamt zu berichten, die sich jedoch ausdrücklich noch innerhalb des Verfassungsbogens bewegen. Wir halten nichts davon, die von der Verfassung vorgesehenen Grenzen zwischen Rechtsextremen und Rechtsradikalen bzw. Rechtskonservativen zu verwischen […] Sie werden daher – hoffentlich – bei uns keinen Beitrag finden, der rechtskonservative Publikationen wie die ‚Junge Freiheit‘ (JF) und rechtsextreme Publikationen wie die ‚Deutsche Stimme‘ (DS) undifferenziert in einen Topf wirft. Wer dies dennoch tut, macht sich im Grunde einer Verharmlosung des Nationalsozialismus schuldig, weil ihm so jeder spezifische Begriff für eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte abhanden kommt. […]“ (9)
Was sich auf den ersten Blick wie eine Warnung vor einer „antifaschistisch“ legitimierten Dämonisierung eines bürgerlich-demokratischen Konservatismus liest, derzufolge es sich beim Holocaust um ein im Kern radikalkonservatives Verbrechen handele, diente dem Betreiber von ER zu ganz anderen Zwecken. Brodkorb, der sein Projekt als eine Art zivilgesellschaftlichen Arm des amtlichen Antiextremismus des Verfassungsschutzes verstand, wollte innenpolitisch den „Verfassungsbogen“ nach „Rechts“ bis an die Grenzen zum regelrechten Kostümnazismus ausdehnen. Wer sich zum Ziel weder den Wiederaufbau der NSDAP gesetzt hat, noch für die „Deutsche Stimme“ der bestehenden deutschen Neonazi-Partei schreibt, kann nicht außerhalb des „freiheitlich-demokratischen“ Spektrums stehen. So wurde selbst der vom bayerischen Verfassungsschutz als Rechtsextremist verortete radikal antirepublikanische und antisemitische französische Publizist Alain de Benoist, der nach Beginn der Invasion des Irak im März 2003 den Vereinigten Staaten „Vergeltungsmaßnahmen“ gegen militärische und zivile Ziele angedroht hatte, als Demokrat gegen Extremismus-Vorwürfe in Schutz genommen. (10) […]
Keineswegs dem „Rechtskonservatismus“, sondern dem Rechtsextremismus rechnete Brodkorb hingegen den israelischen Außenminister Avigdor Lieberman zu. Die Nachricht von der Jerusalemer Erklärung vom 7.12.2010, in der deutsche, österreichische, belgische und schwedische Rechtsnationalisten zu Protokoll gaben, das Recht des Staates Israel auf Selbstverteidigung „gegenüber allen Aggressionen, insbesondere gegenüber islamischem Terror“, sei zu akzeptieren, ließ den Kämpfer gegen zionistischen „Rechtsextremismus“ ganz ausgelassen reagieren. Zwei Monate nach der Unterzeichnung der Erklärung gibt Brodkorb unter dem Titel Die Reisen nach Jerusalem: Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit (11) zunächst genüsslich die Tiraden eines Neonazis wieder, der „seit langem“ vor einer „Selbstunterwerfung europäischer Rechtspopulisten unter den Zionismus“ gewarnt habe. Sodann erörtert der SPD-Bildungsexperte seinen gewissermaßen hiervon abweichenden Standpunkt, das „Geschäft“ stelle keine Unterwerfung der einen unter die andere Seite dar, sondern beruhe auf Gegenseitigkeit – zumal in der Sicht des Rostocker Israelkritikers europäische „Rechtspopulisten“ und Zionisten nicht nur aufgrund ihrer gemeinsamen Frontstellung gegen den (politischen) Islam ein Herz und eine Seele sind: „[…] nicht nur der Hintergedanke der eigenen politischen Entlastung sowie die gemeinsame Ablehnung des Islam verbinden Europas Rechtspopulisten mit einem Teil der israelischen Gesellschaft, sondern auch inhaltliche Gemeinsamkeiten. […]“ Merke: Die (republikanische) Rechte Israels, des Staates der Shoah-Überlebenden, einerseits und europäische Parteien der völkischen Rechten, wie die NS-nostalgischen „Freiheitlichen“ der FPÖ andererseits gehen aufeinander zu, um gemeinsam ihrer Islamophobie zu frönen und um einander politisch zu entlasten.
Dass im „Kampf gegen Rechtsextremismus“, wie ihn Brodkorb et al. verstehen, dem Kampf gegen den Zionismus eine durchaus herausgehobene Stellung zukommt, daran ließ Endstation Rechts bereits in den Jahren vor der erwähnten Einladung der SPD-Landtagsfraktion an Günter Grass 2012 keinen Zweifel. Brodkorb veröffentlichte damals eine Reihe wohlwollender Rezensionen antizionistischer „Tabubrecher“ sowie unkritisch geführter Interviews mit ordinären Antisemiten wie Henning Eichberg, Jürgen Elsässer und Ernst Nolte. Zwecks Würdigung des Kampfes des letzteren gegen Jürgen Habermas brachte Brodkorb im Sommer 2011, anlässlich des 25. Jahrestages des „Historikerstreits“ 1986, den Sammelband Singuläres Auschwitz? (12) heraus. Der Umstand, dass Nolte fast zeitgleich mit dem von Brodkorb herausgegebenen Band eine Textsammlung unter dem Titel Späte Reflexionen (13) veröffentlichte, die eine Fülle antisemitischer und (explizit) antizionistischer Invektiven im Stile der „Protokolle der Weisen von Zion“ enthält und in der die Einrichtung von Konzentrationslagern in Hitler-Deutschland ausdrücklich für „legitim“ erklärt wird, beeinträchtigte Brodkorbs damaligen Wahlkampf in keiner Weise: Weder die potentiellen Koalitionspartner der SPD noch die neonazistische NPD machten die Brodkorb-Nolte-Connection zu einem Wahlkampfthema.
Seit 2009 gab der ER-Betreiber mehrfach seinen Sympathien für Jürgen Elsässer im Zusammenhang mit dessen Finanzkapital- und Globalisierungs-„Kritik“ Ausdruck. Nicht einmal in der Rechtfertigung der Deportation und Folterung iranischer Oppositioneller durch Elsässer (14) vermochte Brodkorb Ärgeres als eine „Ungehörigkeit“ zu erkennen: „Der Mann liebt nicht nur die inhaltliche Kontroverse, sondern auch die Selbstinszenierung, nicht nur das Kreuzen argumentativer Klingen, sondern auch die Provokation. So stößt er denn schon einmal mit einem Piccolo auf jeden in Lybien [sic] ‘abgeschossenen NATO-Jet’ an oder tituliert oppositionelle iranische Demonstranten als ‘Strichjungen des Finanzkapitals’.“ „In der politischen Linken“, klagt Brodkorb, „macht sich Elsässer mit dererlei Ungehörigkeiten keine Freunde.“ „Für Elsässers Sehnsucht nach einer politischen Debatte mit Niveau jenseits intellektuell unterirdischer Beißreflexe“, so der künftige Kultusminister, könne man dabei „durchaus Verständnis haben“. (15)
Dem „antiextremistischen“ Apologeten des „rot“-braunen Querfront-Projekts Elsässers kommt das Verdienst zu, im Wahlkampf 2011 den „Aufstand der Anständigen“ gegen „Rechts“ in nicht zu übertreffender Weise zur Kenntlichkeit entstellt zu haben, als er den Zweizeiler „Nazis quälen, Brodkorb wählen“ plakatieren ließ. Nur wenige Monate später manifestierte sich die Endstation Rechts-Antifa, nunmehr regierungsoffiziell, in der Klarstellung Minister Brodkorbs, dass er Leni Riefenstahl und Arno Breker für „große Künstler“ halte (Nordkurier, 30.12.2011).
Wie der Minister, so lässt es auch die Landeshauptstadt nicht an Respekt für verdienstvolle Kulturschaffende fehlen: Günter Grass, der 2012 die Einladung Nieszerys aus gesundheitlichen Gründen ausschlagen musste, sollte seinen Schwerin-Besuch im April 2013 nachholen – im Rahmen einer Lesung, für die die Landeshauptstadt mit den folgenden Worten warb: „Nie hat der Dichter Günter Grass aufgehört, daran zu glauben, dass Worte doch etwas ändern können. Von der ‘Blechtrommel’ (1959) über das späte Bekenntnis seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS im autobiografischen Roman ‘Beim Häuten der Zwiebel’ (2006) bis zu den jüngsten  israelkritischen Gedichten ‘Was gesagt werden muss’ oder ‘Ein Held unserer Tage’ – die politische Provokation scheint das Lebenselexier [sic!] des streitbaren Literaturnobelpreisträgers zu sein. […]“ (16) In der Logik regierungsoffizieller Israel-Kritik schließt das Recht des Israel-Kritikers auf „politische Provokation“ selbstverständlich die Pflicht zur Unterbindung gegenteilig ausgerichteter Provokation ein. Der Kritiker des Israel-Kritikers darf diesem keinesfalls in die Quere kommen. […]

(1) http://www.wiesenthal.com/atf/cf/%7B54d385e6-f1b9-4e9f-8e94-890c3e6dd277%7D/TT_2012_3.PDF.

(2) Dokumentiert unter anderem unter http://haolam.de/Deutschland/artikel_12247.html.

(3) PM vom 4.1.2013, https://dighochschulgruppe.wordpress.com/2013/01/04/dig-hochschulgruppe-solidarisiert-sich-mit-simon-wiesenthal-center-pm-vom-04-01-2012/. – Die offizielle EU-„Arbeitsdefinition“ für Antisemitismus führt die folgenden Beispiele für „Verhaltensformen“ an, in denen israelbezogener Antisemitismus zum Ausdruck kommt:
„- Das Abstreiten des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen.
– Die Anwendung doppelter Standards, indem man von Israel ein Verhalten fordert, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet und verlangt wird.
– Das Verwenden von Symbolen und Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in Verbindung stehen (z.B. der Vorwurf des Christusmordes oder die Ritualmordlegende), um Israel oder die Israelis zu beschreiben.
– Vergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.
– Das Bestreben, alle Juden kollektiv für Handlungen des Staates Israel verantwortlich zu machen.“

(4) So hatte in den Jahrzehnten nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Westdeutschland und Israel 1965 der radikale Antiisraelismus – eine „Israelkritik“ vom Format der Hetztiraden Grass‘, Augsteins und Nieszerys, in denen der jüdische Staat als „Verbrecherstaat“ (so ein Titel der National-Zeitung vom Januar 1969) gehandelt wird – weitgehend als Monopol der „radikalen Rechten“ wie der „radikalen Linken“ gegolten. Kurz: Nicht die „Israel-Kritik“ der erklärten Feinde der jüdischen Souveränität, sondern deren Bekämpfung schien unter dem Schutz der Verfassung zu stehen.

(5) FAZ, 11.8.2010, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/parodie-und-expertise-so-intelligent-kann-antifaschismus-sein-11027604.html.

(6) Cicero-Interview mit Mathias Brodkorb,
26.10.2012, siehe unter http://www.cicero.de/berliner-republik/bayern-betreibt-aengstliche-verhinderungspolitik/52353.

(7) Siehe unter http://www.cdu-fraktion.de/news-details.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1594&cHash=f2081b4776e15baee1c3e7ebdbc3177b.

(8) Siehe unter http://www.cdu-fraktion.de/news-details.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1588&cHash=349356c3cacfd34f6e4da5a51f5a71a7.

(9) Siehe unter http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&layout=item&id=1555&Itemid=329.

(10) Siehe Mathias Brodkorbs Rezension von Michael Böhm, Alain de Benoist und die Nouvelle Droite (2008), 12.4.2009, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=3513:michael-b%C3%B6hm-alain-de-benoist-und-die-nouvelle-droite&Itemid=773.

(11) ER, 7.2.2011, http://24726.dcpserver.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=5860:die-reisen-nach-jerusalem-ein-gesch%C3%A4ft-auf-gegenseitigkeit&Itemid=773.

(12) Mathias Brodkorb (Hrsg.), Singuläres Auschwitz? Ernst Nolte, Jürgen Habermas und 25 Jahre „Historikerstreit“, Banzkow 2011. – Während Jürgen Habermas dem Geschichtspolitiker Brodkorb die Ehrerbietung verweigerte, an der Gestaltung des ‚Projekts‘ des Sammelbandes in irgendeiner Weise mitzuwirken, gab sich – neben dem WELT-Korrespondenten Alan Posener – etwa auch Heinrich August Winkler als Alibi-Nichtrevisionist für die Politclownerie des Rostocker Antizionisten her.

(13) Ernst Nolte, Späte Reflexionen. Über den Weltbürgerkrieg des 20. Jahrhunderts, Wien 2011.

(14) „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads [sic] Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Siehe unter http://juergenelsaesser.wordpress.com/2009/06/15/gluckwunsch-ahmadinedschad/.

(15) Mathias Brodkorb, Jürgen Elsässer und sein Magazin „Compact“ – Der Gottfried Feder des 21. Jahrhunderts?, 25.4.2011, http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=6150:j%C3%BCrgen-els%C3%A4sser-und-sein-magazin-compact-der-gottfried-feder-des-21-jahrhunderts?&Itemid=624.

(16) http://www.schwerin.de/?internet_navigation_id=443&internet_pressemitteilungen_id=5127.

Die in dem Artikel dargelegten Soli-Erklärungen eines Rostocker Antizionisten für bekennende Sympathisanten der terroristischen Gewalt der Konzentrationslager Hitlerdeutschlands (Nolte) und der iranisch-islamistischen Folterkeller (Elsässer) lassen keinen Zweifel daran: Die Freiheit des „Israelkritikers“, der für sich in Anspruch nimmt, seine Lügen über die jüdische Republik im öffentlichen Raum unwidersprochen verbreiten zu können, ist niemals die (gleiche) Freiheit des Anderen – des Nichtisraelkritikers, des Parteigängers des einzigen Zivilstaates im Nahen Ostens. Nicht zuletzt das Auftreten des Abhubs, der in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik Vorträge des Veteranen der Résistance Claude Lanzmann oder von Justus Wertmüller gewaltförmig angriffen – und als dessen Dienstleister Brodkorb sich offenbar auch als Minister versteht, wie das erwähnte Verbot der DIG-Veranstaltung vom Juli 2012 zeigt -, führt in eindrucksvoller Weise vor Augen: „Israelkritiker“ ist eine Selbstbezeichnung für antisemitische Hetzer, für Antidemokraten und Kriminelle.

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Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
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