Nazi-Versteher der Woche: Eine Posener-Rede für David Irving

Die Hauptstadt ausgerechnet eines Landes, in dem es zwar Extremistenbeschlüsse gibt, der Pro-Nazi-Geschichtsrevisionist Ernst Nolte aber gleichwohl von niemandem daran gehindert wird, an einem Sammelband zum 25. Jahrestag des „Historikerstreits“ mitzuwirken, zu dem auch der WELT-Korrespondent Alan Posener einen Beitrag beizusteuern sich die Freyheit nahm, sieht ebendieser WELT-Korrespondent in den Fängen eines neuen Totalitarismus, der dem Holocaustleugner David Irving an den Kragen will:

„Auftritt Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Ihm ist die politische Bekämpfung Irvings anscheinend zu anstrengend. Auf die Nachricht hin, dass der Brite in Berlin Freunde und Gesinnungsgenossen zu einer privaten Veranstaltung (Eintrittspreis 91 Euro) einladen wolle, reagierte Beck mit einem Brief – auf Bundestagspapier – an den Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin, Thomas Lengfelder. Berliner Hotels, so Beck, sollten Irving kein Zimmer vermieten. Auf der Homepage des Verbands veröffentlichte Lengfelder daraufhin den Brief Becks, verbunden mit der Bitte an seine Mitglieder, „Rechtsextremen nicht auf den Leim zu gehen“. Für David Irving soll es offensichtlich in Berlin keinen Raum in der Herberge geben.“

„(…) Noch, zum Glück, ist es nicht so weit, dass man beim Einchecken auch ein Gesinnungs-Statement abgeben muss, auf dass der Berliner Hotelier sicher sein kann, nur gedanklich saubere Menschen bei sich zu beherbergen. Noch.

Denn, wie Volker Beck die Berliner Hoteliers erinnert, kann die politische Überzeugung eines Gasts laut Urteil des Bundesgerichtshofs „die Ablehnung einer Übernachtung begründen, wenn diese Überzeugung nicht mit dem Charakter des Unternehmens vereinbar ist.“ Die Gedanken sind zwar frei, so behauptet es jedenfalls das Lied; aber wenn man wert auf ein Bett für die Nacht legt, sollte man sie in Berlin lieber nicht äußern. Das ist skandalös.

Wohlgemerkt: Wenn ein Hotel Anstoß an einer geplanten Veranstaltung nimmt, darf es nicht gezwungen werden, Räume dafür zu vermieten. Etwas anderes ist es aber, einem Menschen wegen des vermuteten Inhalts seines Kopfes das Recht zu verwehren, diesen Kopf auf ein Hotelkissen zu legen. Das ist, um es deutlich zu sagen, totalitär. Es ist mir zwar zuwider, für das Recht eines Holocaustleugners einzutreten. Aber das Eintreten für die Rechte anderer Menschen macht überhaupt erst Sinn, wenn es um Leute handelt, mit denen man ansonsten ungern die Atemluft teilt.“

(DIE WELT, 16.7.2013)

Frei nach Bert Brecht: „Peitschen klatschen auf das Pflaster: / Die SS macht es für Zaster / Aber Freiheit braucht auch sie / FREIHEIT und DEMOCRACY.“

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Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
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