Plädoyer für eine europäische Erinnerungs- und Gedenkkultur

Ein Beitrag des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU (CAF) zur aktuellen Antisemitismusdebatte, 24.7.2014

Derzeit werden auf Deutschlands Straßen Parolen skandiert wie „Kindermörder Israel“, „Jude, Jude feiges Schwein…“.

Der Konflikt in Nahost offenbart nicht nur die Relevanz außenpolitischer Ereignisse auf das Zusammenleben in Deutschland, sondern auch die unterschiedliche politische Kultur innerhalb der deutschen Gesellschaft und der Zuwanderer- bzw. vornehmlich türkischen und arabischen Gemeinschaften in Deutschland.

Diese Unterschiede machen sich besonders dort für die deutsche Gesellschaft bemerkbar, sobald es Verhaltensformen und Sprachregelungen betrifft, die den nach dem Holocaust gefundenen Konsens überschreiten. Sofern z.B. die türkische Gemeinschaft und ihre Vertreter den Genozid an den Armeniern in der Osmanischen Türkei leugnen, verurteilen wir dies nicht in der gleichen Vehemenz, wie dies im Falle der Holocaustleugnung erfolgen würde.

Dies führte bisher dazu, dass Ressentiments und tradierte Feindbilder der Zuwanderergruppen in Deutschland gezielt von Migrantenorganisationen, wie zum Beispiel der Ülkücü-Bewegung (Graue Wölfe), Islamische Gemeinschaft Milli Görüs, DITIB, Türkische Gemeinde Deutschland, Muslimbruderschaft oder der AKP-nahen UETD gezielt geschürt und in der 2., 3. und 4. Generation aufrechterhalten werden konnten.

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust im Schulunterricht wird dabei als das Verbrechen der „Anderen“ der „Deutschen“ betrachtet und derart von Migranten interpretiert, dass die Deutschen nunmal ein Volk von „Nazis“ seien, während der aufrichtige Türke und Araber bzw. Muslim eine reine heroische Geschichte trägt (vgl: FAZ, „Die türkische Geschichte ist rein“, http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/voelkermord-an-den-armeniern-die-tuerkische-geschichte-ist-rein-1969706.html).

Der Völkermord an den Armeniern bzw. die Zusammenarbeit der arabischen Eliten mit dem Dritten Reich gelten als Akt der Selbstverteidigung. Eine Auseinandersetzung findet nicht statt. Sie findet leider auch nicht in Deutschland statt, so dass Feindbilder von Generation zu Generation kontinuiert werden.

Der Christliche-Alevitische Freundeskreis der CDU (CAF) setzt sich seit seinen Anfängen im Jahre 2009 dafür ein, im Schulunterricht und in der Jugendarbeit nach den Grundsätzen der europäischen Erinnerungs- und Gedenkkultur die Herkunftsgeschichte in den Schulunterricht und das öffentliche Bewusstsein zu integrieren.

Denn nur in der Auseinandersetzung mit den nationalen Geschichts- und Identitätsbildern können Zugewanderte aufgeklärt und in die deutschen- und europäischen Werte integriert werden.

Der soziale Frieden in der Zukunft und Gegenwart kann durch Erinnerung und Gedenken gewährleistet werden. Durch den Diskurs und der Vermittlung von Geschichtswissen werden Konflikte entschärft und nicht, wie manche Akteure behaupten, in die deutsche Gesellschaft hineingetragen. Aufklärung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunftsgeschichte schaffen einen Wertekonsens in Deutschland und eine Akzeptanz für unsere Grundwerte.

Die jüngsten antisemitischen und antiisraelischen Vorkommnisse in Deutschland zeigen, dass wir von einem Wertekonsens weit entfernt sind und eine neue Strategie zur Konfliktbewältigung benötigen.

Als Mitglieder der CDU und Sprecher des CAF erachten wir es für notwendig, dass sich die CDU Deutschland entsprechend positioniert und dieses Zukunftsthema nicht aus der Hand gibt. Auf breiter Basis kann dieses auch durch einen Beschluss bzw. eine Kulturoffensive der CDU geführten Landesregierungen erfolgen.

RA‘ in Madlen Vartian und
Ass. jur. Ali Yildiz

Sprecher des CAF der CDU

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Über dighochschulgruppe

Ziel der Organisation ist es, den Studierenden an den Hochschulen in Rostock ein umfassendes und positives Bild vom jüdischen Staat zu vermitteln sowie einen differenzierten Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu ermöglichen.
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